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Wissenschaftlich arbeiten: Ablauf, Quellen und Regeln für die Hausarbeit

Illustration im Stil eines Risographiedrucks in Türkis, Koralle und Creme: Lesesaal einer Universitätsbibliothek mit Bücherregalen, Rollleiter, Zettelkatalog und langem Lesetisch vor einem Bogenfenster.

Hinweis

Kurzantwort

Wissenschaftlich arbeiten heißt, eine eingegrenzte Frage mit nachvollziehbarer Methode und belegten Quellen zu beantworten. Eine Hausarbeit durchläuft dafür Planung, Recherche, Gliederung, Rohfassung, Überarbeitung und Schlusskorrektur. Jede fremde Idee muss kenntlich gemacht werden, sonst droht der Vorwurf des Plagiats.

Wissenschaftlich arbeiten heißt, eine eingegrenzte Frage mit nachvollziehbarer Methode und belegten Quellen so zu beantworten, dass andere jeden Schritt prüfen können. Bei einer Haus- oder Abschlussarbeit lässt sich das in sechs Arbeitsphasen zerlegen: planen, Material sammeln, strukturieren, eine Rohfassung schreiben, schrittweise überarbeiten und korrigieren. Umfang, Zitierweise und Bewertung legen Prüfungsordnung und Fach fest, und sie unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule.

Die Grundsätze dahinter hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ festgehalten. Er ist seit dem 1. August 2019 in Kraft und umfasst 19 Leitlinien, die alle Wissenschaftseinrichtungen rechtsverbindlich umsetzen müssen, wenn sie DFG-Fördermittel erhalten wollen. Für eine Hausarbeit verbindlich sind zunächst Prüfungsordnung und Fachvorgaben, die Prinzipien lassen sich aber übertragen.

Was wissenschaftliches Arbeiten ausmacht

Leitlinie 1 des Kodex nennt als Prinzipien, lege artis zu arbeiten, strikte Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Beiträgen und denen Dritter zu wahren, alle Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln und einen kritischen Diskurs zuzulassen. Leitlinie 12 verlangt, alle für ein Ergebnis relevanten Informationen so nachvollziehbar zu dokumentieren, dass sich das Ergebnis überprüfen und bewerten lässt, auch Einzelergebnisse, die die Hypothese nicht stützen. Nach Leitlinie 9 setzt schon das Finden einer Forschungsfrage eine sorgfältige Recherche nach bereits veröffentlichten Forschungsleistungen voraus.

Ein Leitfaden des Fachbereichs Raum- und Umweltwissenschaften der Universität Trier übersetzt das für Hausarbeiten in Grundregeln: gründliche Literaturrecherche, ehrliches Dokumentieren, Klärung aller benutzten Begriffe, nachprüfbare Ergebnisse und eine kritische Auseinandersetzung am Schluss. Literaturaussagen sollen nicht unkommentiert übernommen werden, denn gedruckte Beiträge enthalten neben bewährten Hypothesen auch Meinungen, Wertungen und neu aufgestellte Thesen.

Ablauf einer Hausarbeit in sechs Phasen

Das Schreibzentrum der TU Dresden unterscheidet sechs Phasen, die nicht linear aufeinander folgen. Fällt bei der Überarbeitung eine inhaltliche Lücke auf, steigt man noch einmal in die Recherche ein.

  1. Orientieren und planen. Aufgabe und Erwartungen klären, Fragestellung festlegen, offene Punkte mit der Betreuung besprechen. Die Ruhr-Universität Bochum rät, nicht ein Thema zu überblicken, sondern eine Fragestellung zu einem eingegrenzten Thema zu bearbeiten. Eingrenzen lässt sich zeitlich, geografisch, nach Institutionen, Personengruppen, Quellen oder Theorieansätzen. Passt das Thema in eine klar umrissene Frage und ergeben sich bewältigbare Arbeitsschritte, ist es sinnvoll eingegrenzt.
  2. Material sammeln. Literatur suchen, lesen und das Gelesene festhalten. Mit der Beschaffung sollte man nicht zu lange warten: Eine Fernleihe kann laut Universität Bielefeld etwa 5 bis 10 Werktage dauern und kostet eine Bearbeitungsgebühr.
  3. Strukturieren. Gelesenes ordnen und die Gliederung ausarbeiten. Sie ist laut TU Dresden ein Arbeitsinstrument für den gesamten Prozess, soll früh entstehen und immer wieder angepasst werden. Nach dem Trierer Leitfaden bilden Einleitung, Hauptteil und Schluss das Grundschema. Die Kapitel stehen nicht nebeneinander, sondern in einem geschlossenen Zusammenhang, und wer ein Unterkapitel 1.1 anlegt, braucht auch 1.2.
  4. Rohfassung schreiben. Zügig schreiben, ohne Anspruch auf Perfektion, und Unstimmigkeiten oder Lücken für später markieren.
  5. Überarbeiten. Dresden empfiehlt drei Durchgänge: erst Inhalt und Struktur, dann Verweise und visuelle Daten, zuletzt Stil und Sprache. Wer zuerst die Sprache glättet, riskiert, dass der Absatz später ohnehin gestrichen wird.
  6. Korrigieren und abgeben. Rechtschreibung, Grammatik, Layout und Verzeichnisse prüfen und Korrektur lesen lassen. Die Formalia gibt das Fach vor: Der Trierer Leitfaden verlangt etwa Schrift in 12 Punkt (Times New Roman) bei 1,5 Zeilen Abstand und ein Deckblatt ohne Seitenzahl, die erste Textseite zählt als Seite 1. Auch die Zitierweise legt das Fach fest, in der Geographie sind laut diesem Leitfaden Fußnoten unüblich.

Quellen finden und einordnen

Primärliteratur ist das Werk, über das man schreibt, Sekundärliteratur sind Texte darüber. Die Universität Bielefeld nennt als Beispiel Maria Montessoris „Über die Bildung des Menschen“ als Primärliteratur. Ein Zitat aus zweiter Hand sollte laut Trierer Leitfaden die Ausnahme bleiben und nur erscheinen, wenn die Primärquelle nicht verfügbar ist.

SuchwegWas man dort findetHinweis
BibliothekskatalogBestand der Bibliothek, vor Ort und digitalPräsenzexemplare lassen sich nicht ausleihen, fehlende Titel kommen per Fernleihe (Bielefeld)
FachdatenbankEinzelne Aufsätze in Zeitschriften und SammelwerkenDie Bibliothek bietet fachspezifische Schulungen an (Bielefeld)
Google ScholarArtikel, Abschlussarbeiten, Bücher, Abstracts und GerichtsentscheidungenDas Ranking gewichtet laut Anbieter Volltext, Publikationsort, Autorschaft und Zitierhäufigkeit, den Volltext findet man über die Bibliothek oder im Netz
Lexikon, Handbuch, ÜbersichtsarbeitErster Überblick über den ForschungsstandReviews und Metastudien eignen sich laut Bochum für den Einstieg

Bleibt die Suche ohne Treffer, hilft es laut Bielefeld, Synonyme oder allgemeinere Begriffe zu probieren und mit Trunkierung zu suchen: Ein Sternchen ersetzt mehrere Zeichen, „Schul*“ findet also Schulgeschichte und Schulpädagogik. Trier empfiehlt das Schneeballverfahren, bei dem man die Literaturverzeichnisse neuerer Fachliteratur nach weiteren Quellen durchsucht. Bielefeld warnt dabei vor dem Zitier-Zirkel, in dem sich einige Autoren gegenseitig zitieren.

Typische Fehler und was dagegen hilft

Typischer FehlerBesser
Ein Thema überblicken, statt eine Frage zu beantwortenThema eingrenzen und als klar umrissene Frage formulieren (Bochum)
Kapitel nebeneinanderstellenEinleitung mit Fragestellung und rotem Faden, Kapitel in einen geschlossenen Zusammenhang bringen (Trier)
Literaturaussagen unkommentiert übernehmenStellenwert der Aussage dokumentieren, Entstehungskontext und Aktualität der Quelle prüfen (Trier)
Literatur zu spät besorgenVerfügbarkeit früh klären, bei Engpässen rechtzeitig mit der Lehrperson sprechen, denn eine Fristverlängerung ist unter Umständen möglich (Bielefeld)
Zu früh an Sprache und Rechtschreibung feilenErst Inhalt und Struktur, dann Stil, zuletzt die Schlusskorrektur (Dresden)

Plagiat: Formen und Folgen

Die Universität Bonn definiert ein Plagiat in einer Handreichung (Stand Januar 2018) als jede unrechtmäßige Übernahme von Texten, Gedanken oder Erkenntnissen Dritter, die als eigene Leistung ausgegeben wird. Sie unterscheidet Vollplagiat, Textplagiat, ungekennzeichnetes Paraphrasieren, Übersetzungsplagiat und Selbstplagiat, also das mehrfache Einreichen einer eigenen Arbeit für verschiedene Prüfungen. Ob Absicht nötig ist, regeln Hochschulen unterschiedlich: Bonn nennt es unerheblich, ob ein Plagiat absichtlich oder unabsichtlich entstand, Bremen wertet es erst dann als Täuschungsversuch, wenn der Umfang einige wenige Flüchtigkeitsfehler überschreitet. Der DFG-Kodex führt das Plagiat unter den Tatbeständen wissenschaftlichen Fehlverhaltens auf.

Land und HochschuleFolgen laut Quelle
Deutschland, Universität Bremen (Institut für Soziologie)Die Prüfung gilt als nicht bestanden, bei sehr schwerwiegender Täuschung folgt zusätzlich die Zwangsexmatrikulation
Deutschland, Universität Bonn (Philosophische Fakultät)Note 5,0 und Vermerk im Studienkonto, bei mehrfachem oder schwerwiegendem Täuschungsversuch kann der Prüfungsausschuss exmatrikulieren
Österreich, Universitätsgesetz 2002Die Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit ist mit Bescheid für nichtig zu erklären, wenn sie erschlichen wurde (§ 73). Ein Verleihungsbescheid ist aufzuheben, wenn der Grad durch schwerwiegendes wissenschaftliches Fehlverhalten erschlichen wurde, bei einem Plagiat in einer Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeit nur innerhalb von zehn Jahren ab der Beurteilung (§ 89)
Schweiz, Universität BaselBewertung mit „nicht bestanden“ oder Note 1 in jedem Fall, bei erstmaliger Verfehlung grundsätzlich schriftliche Verwarnung, bei schweren Fällen Ausschluss. Auch nicht ausgewiesene KI-Nutzung kann als unlauteres Prüfungsverhalten gelten
Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Prüfungsordnung und Landesrecht Ihrer Hochschule. Die Tabelle gibt den Stand der genannten Quellen im Oktober 2026 wieder, bei Bonn den Stand der Handreichung von Januar 2018.

Schnell erklärt

Was bedeutet wissenschaftlich arbeiten?
Eine eingegrenzte Frage methodisch bearbeiten, Quellen belegen und alle für das Ergebnis relevanten Schritte so dokumentieren, dass andere sie überprüfen und bewerten können.
Wie läuft eine Hausarbeit ab?
Nach dem Modell des Schreibzentrums der TU Dresden in sechs Phasen: orientieren und planen, Material sammeln, strukturieren, Rohfassung schreiben, überarbeiten und Feedback einholen, korrigieren und abschließen.
Wo finde ich wissenschaftliche Literatur?
Im Katalog der Hochschulbibliothek, in Fachdatenbanken und mit Google Scholar. Wichtig ist, Primär- und Sekundärliteratur zu unterscheiden und die Beschaffung früh zu planen, denn eine Fernleihe kann etwa 5 bis 10 Werktage dauern.
Was gilt als Plagiat?
Jede nicht gekennzeichnete Übernahme fremder Texte, Gedanken oder Erkenntnisse, auch als Paraphrase oder Übersetzung. Die Universität Bonn zählt zudem das mehrfache Einreichen einer eigenen Arbeit als Selbstplagiat.
Welche Folgen hat ein Plagiat?
Das hängt von Hochschule und Land ab: häufig gilt die Prüfung als nicht bestanden, bei schweren Fällen drohen Exmatrikulation oder Ausschluss. In Österreich kann die Beurteilung nach dem Universitätsgesetz für nichtig erklärt werden.